BGH 4 StR 29/23 Deutschland gegen Angeklagten; Bundesgerichtshof; Entscheidung vom 17. August 2023
BGH 4 StR 29/23 Germany v. Offender; German Federal Supreme Court (Bundesgerichtshof); decision dated August 17, 2023
Aggravated rape with weapons, which is punishable under Section 177 Para 7 No. 2 StGB (Strafgesetzbuch – StGB) with a prison sentence of no less than 3 years (sexual assault, rape), requires that the perpetrator carries an instrument to prevent or overcome the resistance of another person by force or threat of force. The qualifying offense under Section 177 Para 7 No. 2 StGB also requires a corresponding intent in subjective terms, which must be aimed at preventing or overcoming resistance to sexual coercion/rape. To also be considered guilty of hostage-taking under Section 239b Para 1 StGB, the offender must either intend to exploit their position of power to coerce the victim at the time of establishing control over the victim or exploit the position of power created to coerce the victim for other reasons.
Facts of the Case
The offender is the victim’s husband, and the couple has five children. At the beginning of the relationship, the offender started to act violently towards his wife, the victim (the co-plaintiff). The violence kept occurring more often and intensively because of the offender’s jealousy. Due to an accident in 2013, the offender started consuming opiate painkillers and became addicted. In 2020, during an argument between the spouses, the offender threatened to stab the victim with a knife and threw a plate at her. Out of fear, the victim wet herself. At the demand of the offender, the victim had to undress. Led by jealousy, the offender performed anal intercourse with the victim within reach of a knife. Although the trembling and crying victim rejected the intercourse, however not verbally, she did not dare to object, but saw tolerating it as the only way to prevent further physical assaults by the offender. In 2021, the offender came back to his family’s home and forced the victim to get into his car, then hit her and threatened her with a weapon. Again, they had intercourse despite the victim crying and trembling. Later that year, the offender again threatened to kill the victim several times.
Court Decision
The Federal Court of Justice found that the requirements for aggravated rape with weapons and hostage-taking were met. It, therefore, sentenced the offender per Sections 177 Para 7 and 239b StGB.
Source: BGH decision dated August 17, 2023 – BGH 4 StR 29/23 (BGH 4 StR 29/23 - 17. August 2023 (LG Essen) · hrr-strafrecht.de)
Eine schwere sexuelle Vergewaltigung mit Waffen, die nach § 177 Abs. 7 Nr. 2 StGB mit einer Freiheitsstrafe nicht unter 3 Jahren bestraft wird, setzt voraus, dass der Täter ein Werkzeug mit sich führt, um den Widerstand einer anderen Person durch Gewalt oder Drohung mit Gewalt zu verhindern oder zu überwinden. Der Qualifikationstatbestand setzt in subjektiver Hinsicht einen entsprechenden Vorsatz voraus, der auf die Verhinderung oder Überwindung eines Widerstands gegen die sexuelle Nötigung/Vergewaltigung gerichtet sein muss. Um sich zusätzlich noch der Geiselnahme nach § 239b Abs. 1 StGB schuldig zu machen, muss der Täter entweder bereits im Zeitpunkt der Herstellung der Herrschaft über das Opfer die Absicht haben, die Machtposition zur Nötigung des Opfers auszunutzen, oder er muss die von ihm geschaffene Machtposition aus anderen Gründen tatsächlich zur Nötigung des Opfers ausnutzen.
Sachverhalt
Der Täter ist der Ehemann des Opfers, das Paar hat fünf Kinder. Zu Beginn der Beziehung begann der Täter gegenüber seiner Frau, dem Opfer (der Nebenklägerin), gewalttätig zu werden. Aufgrund der Eifersucht des Täters kam es immer häufiger und intensiver zu Gewalttätigkeiten. Aufgrund eines Unfalls im Jahr 2013 begann der Täter, opiathaltige Schmerzmittel zu konsumieren und wurde süchtig. Im Jahr 2020 drohte der Täter während eines Streits zwischen den Eheleuten, das Opfer mit einem Messer abzustechen und warf einen Teller nach ihr. Aus Angst nässte sich das Opfer ein. Auf Verlangen des Täters musste sich das Opfer entkleiden. Von Eifersucht geleitet, vollzog der Täter Analverkehr mit dem Opfer. Obwohl das zitternde und weinende Opfer den Geschlechtsverkehr verweigerte, wenn auch nicht verbal, wagte sie nicht, sich zu wehren, sondern sah in der Duldung die einzige Möglichkeit, weitere körperliche Übergriffe des Täters zu verhindern. Im Jahr 2021 kehrte der Täter zu der Familie zurück und zwang das Opfer, in sein Auto einzusteigen, schlug und bedrohte sie dann mit einer Waffe. Wieder kam es zum Geschlechtsverkehr, obwohl das Opfer weinte und zitterte. Im selben Jahr drohte der Täter dem Opfer erneut mehrmals, sie zu töten.
Gerichtsentscheidung
Der Bundesgerichtshof sah die Voraussetzungen der schweren Vergewaltigung mit Waffen sowie der Geiselnahme erfüllt. Somit verurteilte er den Täter nach den §§ 177 Abs. 7 und 239b StGB.
Quelle: BGH Entscheidung vom 17. August, 2023 – BGH 4 StR 29/23 (BGH 4 StR 29/23 - 17. August 2023 (LG Essen) · hrr-strafrecht.de)
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- 2023
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